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Die Engadiner Natur zeigt sich in ihren Seen, den mächtigen Gipfeln und dem tiefblauen Himmel gerne von ihrer idyllischen Seite. Aber sie hat auch eine exotische: Viele Naturphänomene sind nur hier anzutreffen.

Silserkugeln: 100 Prozent natürlich

Rund und haarig, aus den Nadeln der Lärchenbäume und den Wellenbewegungen des Wassers geschaffen, liegen sie am Ufer des Sees: die Silserkugeln. Der Legende nach entstanden sie allerdings nicht aus einer Laune der Natur, sondern wurden von hilfsbereiten "Waldleutchen" benutzt, um die Menschen nach einer Überschwemmung vor dem Hungertod zu retten. Sie füllten die haarigen Kugeln nämlich mit Dörrobst, Fisch und Eiern und schickten sie über den See nach Sils.

Noch heute findet man im Herbst am Ufer des Silsersees die Strausseneier-grossen Kugeln. Das Lärchenharz der Tannenadeln hält das Natur-Kunstwerk zusammen und schützt es gegen Wind und Wasser. Ein hübscher Dekorationsgegenstand – und eine echte Silser Exklusivität!

Arven und Lärchen: im Engadiner Wald

Pünktlich zu Beginn des Herbstes strahlen die goldenen Lärchen mit den weissen Bergspitzen und dem tiefblauen Engadiner Himmel um die Wette und laden zum Wandern ein. Etwa durch den Stazerwald, der durch ein dichtes Wegnetz erschlossen ist. Nebst Lärchen und Bergföhren findet man im oberen Teil God Plazzers einige der ältesten, über 1000-jährigen Arven Graubündens. Ebenso einmalig ist allerdings auch die Moorlandschaft, eine der höchstgelegenen im gesamten Alpenraum.


Auffälligster Bewohner der Engadiner Wälder ist der Tannenhäher. Vor allem in der Nähe von Arven begegnet man dem weiss gesprenkelten, braunen Vogel auf Schritt und Tritt. Von August bis September sammelt jeder einzelne von ihnen hier über 100’000 Arvennüsschen, die ihn über die strengen Winter retten.

Allerdings machen sich auch die Menschen die Kraft der "Königin des Waldes" zu Nutze. Zum Beispiel in Form von Kissen, die mit feinen Arvenholzspänen gefüllt sind. Diese versprechen einen besonders tiefen und erholsamen Schlaf. Nicht zuletzt deshalb, weil die Arvenholzkissen die Tendenz zum Schnarchen vermindern sollen.

Wetterphänomene: Malojaschlange & Co.

Wer im Herbst frühmorgens im Engadin unterwegs ist, hat gute Chancen, mit ihr Bekanntschaft zu machen: Dann nämlich schlängelt sich die Malojaschlange fett und weiss den Bergen entlang. Das berühmt-berüchtigte Wetterphänomen entsteht, wenn sich vor Maloja aufsteigende, feuchte Luft in Wolken oder Nebel verwandelt.

Ein weiteres typisches Wetterphänomen des Engadins ist der Malojawind. Dieser beständige Luftstrom erfreut sich bei Surfern, Seglern und Kitern grosser Beliebtheit und bereitet Meteorologen einiges Kopfzerbrechen. Der Malojawind ist gewissermassen ein "verkehrter Wind" oder "Nachtwind des Tages": Normalerweise wehen die Winde in Bergtälern nämlich tagsüber nicht talauf-, sondern talabwärts.

Wasser, Schnee und Eis: geballte Energie

Das gibt’s in Europa nur einmal: Auf dem Pass Lunghin (2780 m ü. M.) bei Maloja liegt die einzige dreifache Wasserscheide Europas. Ein Wassertropfen kann sich von hier aus seinen Weg in drei verschiedene Weltmeere bahnen: Fliesst er nach Norden, geht’s über die Flüsse Julia und Rhein in die Nordsee. Im Osten gelangt der Tropfen über den Inn und die Donau ins Schwarze Meer. Und wenn er die Reise in den Süden antritt, heisst die Endstation Adria.

Bekannt ist die Wasserscheide Lunghin aber auch, weil hier der Inn entspringt. Und dieser Fluss ist es, der dem Hochtal seinen Namen gab: Engadin bedeutet in seiner romanischen Urform "Garten des Inns".
Nicht weit davon entfernt trifft man auf das Gletschermühlen-Reservat Maloja, die grösste Ansammlung von Gletschermühlen in Europa. Die 30 kochtopfartigen Mühlen mit Durchmessern von bis zu 7 m ragen bis zu 11 m tief in den Boden hinein.

Auch in höheren Lagen bestimmt das Wasser den Charakter der Landschaft – hier allerdings in gefrorener Form. Mit dem Morteratschgletscher verfügt das Engadin über den mächtigsten Gletscher der Ostalpen. Als riesiges Süsswasser-Sammelbecken hat er eine wesentliche Bedeutung für das östliche Mitteleuropa.

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