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Das Oberengadin zeichnet sich durch seine ursprüngliche, alpine und nachhaltig beeindruckende Natur aus. Feriengäste können hier die Schönheit der archaischen Natur hautnah erleben.

Wind & Wetter
Seiner Lage als hochalpines Bergtal verdankt das Engadin auch sein prickelndes Klima. Fachleute bezeichnen dieses nüchtern als trocken und kontinental und meinen damit, dass es hier wenig Niederschlag gibt. Umso grösser sind die Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter und zwischen Tag und Nacht.

Dass der Engadiner Winter traumhaft weiss ist, liegt also nicht unbedingt am häufigen Schneefall, sondern daran, dass der Schnee liegen bleibt, wenn es mal welchen gibt: Die trockene Kälte verhindert, dass die Sonne, die hier an durchschnittlich 322 Tagen pro Jahr scheint, die Pisten mitten im Winter in Frühlingswiesen verwandelt. Und sie beschert dem Engadin Pulverschnee-Verhältnisse, wie man sie sonst nur in den Rocky Mountains kennt.

Ebenfalls mit der trockenen Luft hängt eine weitere Klimaspezialität zusammen: In der Talebene rund um Samedan kann es in frühen Winter-Morgenstunden bis zu 10°C kälter sein als auf dem 1600 Meter höher gelegenen Corvatsch. Dieser Kaltluftsee bildet sich deshalb, weil trockene Luft mehr Wärme abstrahlt, als die feuchte und kalte Luft sinkt.

Es passt gut zur archaischen Natur des Engadins, dass sie nicht mit Wetterphänomenen geizt. Ein besonders bekanntes ist die Malojaschlange, die sich als schmales Wolkenband den Berghängen entlang vom Malojapass talwärts schlängelt. Was ein echter Engadiner ist, weiss dann, dass schlechtes Wetter im Anzug ist. Und was ein echter Meteorologe ist, erklärt dies damit, dass feuchte, warme Luft vom Comersee und dem Bergell ins Engadin fliesst.

Echte weisse Riesen: die Gletscher im Engadin
Das Engadin ist eine Landschaft «on the rocks»: 173 Gletscher bedecken hier eine Fläche von 40 km2 (sechs Prozent des Oberengadins) und mäandern rund um die höchsten Gipfel der Ostalpen wie die Eiswürfel um den Zitronenschnitz im Martini. Die unbestrittene Nummer eins ist der Morteratschgletscher, mit rund sieben Kilometern der längste Gletscher im Engadin. Ein ebenso eindrückliches Naturschauspiel bieten auch weitere Gletscher der Region mit klingenden Namen wie Roseg-, Tschierva-, Sella und Persgletscher.

Unter der winterlichen Schneedecke sind die gewaltigen weissen Riesen allerdings kaum zu erkennen. Dann zeichnen sich höchstens vereinzelt Gletscherspalten ab, die einen eindrücklichen Blick ins Blaue des ewigen Eises eröffnen. Ebenso faszinierende Einsichten gewähren die Eishöhlen, die entstehen, wenn sich das relativ warme Schmelzwasser im Sommer seinen Weg nach draussen bahnt. Auf eigene Faust ins ewige Eis einzutauchen, ist allerdings höchst gefährlich. Wer das totale Gletschererlebnis sucht, nimmt sich einen erfahrenen Führer.

Ob ein Gletscher wächst oder schrumpft, hängt damit zusammen, wie viel Gletschereis im so genannten Nährgebiet oberhalb der Schneegrenze nachwächst. Dieses Eis entsteht übrigens nicht aus gefrorenem Wasser, sondern aus jenem Schnee, der im Sommer nicht wegschmilzt. Damit ein Gletscher im Gleichgewicht ist, muss das Nährgebiet doppelt so gross sein wie das «Zehrgebiet» unterhalb der Schneegrenze, wo das Eis schmilzt.

Wer im Spätsommer als Hobby-Glaziologe durch die archaische Gebirgslandschaft des Engadins wandert, kommt diesem Phänomen schnell auf die Spur: Wo noch Schnee auf dem Gletscher liegt, befindet sich das Nährgebiet.

 

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